RUFUS WAINRIGHT: Einer, der seinen Mittelfinger tief in die blutende Schnittwunde aus Melancholie und Ironie eintaucht und ihn genüsslich ableckt. HALLELUJA!

Die New York Times rühmt seine GENUINE ORIGINALITY.

Zur Zeit ist er mit 2 großen Projekten unterwegs: seiner ALL THESE POSES ANNIVERSERY TOUR (20 Jahre!) und seiner Oper HADRIAN, die Ende 2018 Weltpremiere hatte. Standing Ovations everywhere.

Ganz sicher ist: Rufus Wainwright ist einer der herausragenden Sänger, Komponisten und Songwriter unserer Zeit, und er wandelt jenseits aller ausgetretenen Pfade zwischen Pop und Klassik – einer der ganz großen kanadischen Popstars- ohne jemals im kommerziellen Mainstream gelandet zu sein, im Gegenteil- der ein eigenes Fach beherrscht, ein neues Genre erfindet, eine Nische besetzt: POPERA!

„A genre unto himself“ (The Independent)

Was macht diesen Mann zu so einem einzigartigen Original?

Zunächst werfen wir einen Blick auf seine Herkunft: Er ist der Spross einer Musikerdynastie, über die er am liebsten nicht spricht und stand schon im Alter von sieben Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Er ist musikalisch top-ausgebildet, spielt mehrere Instrumente und hat eine klassische Gesangsausbildung. In dieser romantischen, jungenhaften Stimme des Mitvierzigers liegt ein selbstvergessener Klang, der seine Fans verrückt macht.

So perfekt Wainwright seine Stücke auch intoniert – kalt wirkt das in keinem Augenblick, immer wirft er sich mit dem stärksten Ausdruck, der größten Emotion hinein in sie, mit einem wunderbar wild-verträumten aufmüpfigen Schlendrian, und schwebt in seinem ganz eigenen Musikhimmel. Mit seinem Tremolo umarmt er alle und erzeugt eine große Intimität. Er lässt sich tief in die Seele schauen.

Zu den edelsten Aufgaben des Künstlers zählt seit jeher, dem konventionell sozialisierten Bürger auch die Schönheit des Scheiterns näherzubringen. Kaum jemand im heutigen Musikgeschäft kann das souveräner als Rufus Wainwright. Seine barock anmutenden Songs kollidieren mit den Vorgaben des Formatradios. Wainwright nimmt es gelassen. Schon als junger Mann war er ein Meister der Selbstvergeudung. Er probierte sich in Exzessen jeder Art, goss das Erlebte in markante Melodien. In den Siebzigerjahren hätte er mit seinen emotional überbordenden Liedern wohl den Äther dominiert. Aber heute ist er eine schillernde Randfigur, der in seinen Konzerten zeigt, dass er wohl zu den Allergrößten seines Faches gehört.

Mit 14 Jahren entdeckt er seine Homosexualität, zu der er sich bald offensiv bekennt und die sich auch in seiner Musik widerspiegelt. Er interessiert sich für schwule Kulturtradition in allen künstlerischen Bereichen, an die er anknüpfen möchte. So bezieht er sich u. a. auf Oscar WildeGertrude Stein oder Jean Cocteau. Eine seiner großen Musen ist Maria Callas.

Heute ist er mit einem Berliner Theaterproduzenten verheiratet. Die beiden haben eine Tochter. Deren Mutter ist Lorca Cohen, die Tochter von Leonard Cohen. HALLELUJA!

Seine zweite Oper HADRIAN hatte zur Eröffnung der Saison Ende 2018 der Canadian Opera Company in Toronto Weltpremiere. Eine große Liebe zwischen zwei Männern – das ist seltener Stoff für die Opernbühne. Mit viel Freizügigkeit und emotionalen Monologen, verbotener Liebe, Sex, Verrat, Mord – das von Rufus Wainwright komponierte Bühnenwerk «Hadrian» hat alles, was den Kanon klassischer Opern ausmacht. Und noch ein bisschen mehr: viel nackte Haut und gleichgeschlechtliche Liebesszenen. Mit emotionalen Monologen und expressiver Freizügigkeit behandelt Hadrian ein für die Oper seltenes Thema: Homosexualität.

Die Oper, die auf Englisch und auf Latein gesungen wird, sei in vieler Hinsicht ein Novum für die Opernwelt, sagte der aus Deutschland stammende Leiter der Canadian Opera Company (COC), Alexander Neef, vor der Weltpremiere der Deutschen Presseagentur. Für die Operngesellschaft ist «Hadrian» die erste in Auftrag gegebene Eigen-Inszenierung seit 1999. «Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern. Das allein ist bereits ungewöhnlich. Auch die Tatsache, dass Libretto und Musik von zwei Männern kreiert wurden, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, ist eine Seltenheit. Aber es ist 2018, und es ist unsere Aufgabe, diese Geschichten zu erzählen», sagt Neef, der die COC in Toronto seit zehn Jahren leitet.

Die Zuschauer in Toronto – vor dem Kauf der Karten mehrfach auf die sexuelle Freizügigkeit der Inszenierung hingewiesen – schienen bei der Premiere letztendlich stärker von den tiefen Emotionen bewegt, als von den expliziten homoerotischen Liebesszenen schockiert zu sein. Musikalisch untermalte Wainwrights Komposition zwar die emotionale Beziehung der Protagonisten, sprang stilistisch aber stellenweise chaotisch von einem Genre zum nächsten. Neben klassischen Opernmerkmalen flocht der Musiker Elemente aus Jazz oder romantischem Balladen ein, was ansatzweise innovativ klang, grundsätzlich aber die Balance aus der Ruhe brachte (so in etwa die Kritikerstimmen).

Davon hat sich ein Rufus Wainright noch nie beeindrucken lassen, sondern immer einfach weiter sein Ding gemacht. Mit großem persönlichen Einsatz und Stehvermögen realisiert er auch die unmöglichsten Projekte, wobei gilt:

Seine erste Oper Prima Donna spielte gerade mal die Kosten herein. Zur Premiere 2009 kam er als Verdi verkleidet– und ist vielleicht nicht zuletzt aufgrund dieses Affronts bei der Kritik durchgefallen. Was die meisten nicht wissen: Auch dem Großmeister der (italienischen) Oper ist es ähnlich ergangen -nur mit einer viel dramatischeren Geschichte: Im Juni 1840 starb Verdis Frau Margherita im Alter von 26 Jahren an einer Enzephalitis, als Verdi an seinem nächsten Werk arbeitete, der komischen Oper Un giorno di regno. Die Aufführung wurde ausgepfiffen. Verdi, der den Tod seiner Frau tief betrauerte, beschloss deprimiert, das Komponieren aufzugeben.

Nach über einem Jahr konnte ihn jedoch Bartolomeo Merelli, der Direktor der Scala, zu einem weiteren Werk überreden: Nabucodonosor (1842; später Nabucco genannt). Diese Oper erwies sich als Sensationserfolg, und Verdi wurde auch international als „führender italienischer Opernkomponist“ anerkannt.

Wie unberechenbar das Schicksal ist, wie nahe Elend und Triumph bei einander liegen, und wie stark es manchmal davon abhängt, jemanden zu haben, der an einen glaubt- zeigt der weitere Verlauf dieser Geschichte, denn: Die Abigaille der Uraufführung, Giuseppina Strepponi wurde später Verdis Lebensgefährtin und zweite Ehefrau.

Seit dem Erscheinen der ersten Verdi-Biographien im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wird auch behauptet, das unter Fremdherrschaft leidende italienische Volk habe sich mit dem in dieser Oper zum Ausdruck kommenden Freiheitsstreben der in babylonischer Gefangenschaft gehaltenen Juden identifiziert. So sei der bekannte Chor Va pensiero, sull’ali dorate („Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln“) eine Art italienische Nationalhymne, ein Protest gegen Tyrannei und politische Willkür gewesen. Und das sei hier auch unter den freiheitsliebenden Vogelkindern nochmals extra betont!

Neben diesen beiden Opern hat Multitalent Rufus acht Studioalben produziert, mehrere Gastrollen in Sitcoms und Kinofilmen gespeilt, Kleidung zB für H&M in der Kollektion FASHION against AIDS entworfen und lieferte Beiträge zu TOP-Soundtracks wie Big Daddy, Moulin Rouge, Zoolander, Ich bin Sam, Bridget Johnes, Aviator, Brokeback Mountain, Couchgeflüster, Shrek…

2009 komponierte er die Musik für Robert Wilsons „Shakespeares Sonette“ am Berliner Ensemble. Mit Robbie Williams sang er 2 Duette und trat immer wieder mal als Überraschungsgast bei ihm auf- 2013: „Swings Both Ways“- und 2016 das leicht psychodelische „Hotel Crazy“:

2014 spielte er als erster Musiker überhaupt fünf Abende am Londoner Opernhaus Covent Garden hintereinander vor ausverkauftem Haus. Im Sommer  2017 spielte er in der Hamburger Elbphilharmonie ausverkaufte Shows. Zur Zeit tourt er durch Europa– solo mit seinem Flügel und einer Art „Best of“: eigene Popsongs quer durch sein Schaffen, die wundervoll gesetzten Vertonungen einiger Shakespeare-Sonetten sowie Cover-Versionen bis hin zu Auszügen aus seinem sensationellen Judy Garland-Programm stehen auf dem Programm.

Auf dieser Jubiläumstournee mit ALL THESE POSES zeigt er, dass 20 Jahre vergehen wie nichts- und niemand BIPOLARER singen kann als er. Er ist in den Gebärden der Euphorie ebenso zu Hause wie in den Gesten der Enttäuschung. Egal ob in „foolish love“ oder  „oh what a world“….jede Nummer ist wie ein kleines Musical in sich. Mal mehr Songwriterballade, dann Saloonklimperei und chopinartige Pianofantasie, leichthändig, filigran und betörend spielt er. Über allem schwebt seine extraordinäre Singstimme, voll, tremolierend und mit einem kunstvoll ungekünstelten Vibrato versehen, das es so kein zweites Mal gibt- für rührende, witzige und zerbrechliche Momente.

Rufus ist einer der seinen Mittelfinger tief in die blutende Schnittwunde aus Melancholie und Ironie eintaucht und ihn sich genüsslich ableckt. Er badet in seinem Weltschmerz aus grundloser Traurigkeit und leidet an den unauflösbaren Widersprüchen des Lebens. In seinen Texten spürt man auch eine Art SOKRATISCHEN Schmerz, der Vergeblichkeit des Ergründens und Nachsinnens. Seine Melancholie leugnet ihren Grund, der ein Abgrund ist, nicht.

Seine schwermütige Seele bezieht zuletzt aus der Erotik noch Reiz und Anreiz des Daseins. In der sinnlichen Fülle kann er sich als melancholisches Subjekt gehen lassen- und auch den Tränen freien Lauf lassen. Die Erotik ist der einzige Trost der Melancholie, was Rufus uns sinnlich bis obszön vor Augen führt.

Das Weinen der Melancholie stammt aber aus der selben dunklen Quelle wie die Kunst des Lachens- und schüttet sich aus über die Widersprüche des Daseins. Dieses Spiel beherrscht Rufus wie kaum ein anderer. Wenn er sich der Melancholie- diesem schwärzesten Gefühl- musikalisch hingibt, kommt ein völlig unerwarteter Moment, an dem er musikalisch einen Haken schlagt- und sich gegen gewohnte und breitgetretene Harmoniefolgen stemmt und siehe da: aus den Tränen der Melancholie entsteht das Augenzwinkern der Ironie.

Diese Kunst im Umgang mit Widersprüchen ermöglicht eine heitere Distanz zu den Dingen und so finden die Dinge auch musikalisch plötzlich „nicht in höherer Einheit- sondern in höherer Narrheit“ (Kierkeaard) zusammen und verbinden sich. Diese –auch musikalische- Ironie läßt erahnen, dass die Realität in Wahrheit noch eine ganz andre sein kann. Ironie denkt Anderssein insgeheim mit– sie entzieht dem Selbst seinen Zwang und macht den Raum der Freiheit denkbar. Es ist ein Spiel von Mehrdeutigkeiten, mit Widersprüchen und Andersheiten, das Rufus in dieser bipolaren Version meisterhaft beherrscht.

„Der vielleicht größte, sicher größenwahnsinnigste Songwriter seiner Generation. (…) Man müßte mit betonierter Homophobie und Taubheit gestraft sein, um die Kunst des Rufus Wainwright nicht als monumental würdigen zu können. Doch diese Musik betört nicht nur im groß Gedachten und Gemachten, in barockem Reichtum und melodramatischem Applomb – Wainwright schafft auch Momente von feinster Gefühlsregung, seismischem Erfassen delikatester Emotionen.“   (Rolling Stone)

SHORT CUT:

+ Er läßt uns mit seiner Musik und seiner Art des Seins tief in seine Seele blicken

+Er ist ein top- ausgebildeter Pianist und Sänger (auch im klassischen Fach) mit einer einzigartigen Stimme

+ Sein exzentrisches Auftreten – z.T. in barocken Verkleidungen irritiert, provoziert und fasziniert gleichermaßen

+ Er führt ein intensives (homosexuelles) Leben mit der ihr eigenen Subkultur und positioniert sich als Role Model für eine gelebte Diversität

+ Sinnlichkeit und Erotik als kreative Kompensation einer tiefen Melancholie spielen eine wichtige Rolle

+ Er beherrscht das bipolare Spiel zwischen Ironie und Melancholie wie kaum ein Anderer

+ Er ist zwar eine schillernde Randfigur, aber noch nicht zu weit weg von der Masse, sodass er immer genug erreicht, die ihn lieben und bezahlen

+ Er hat quasi ein neues eigenes Genre erfunden –POPERA- und vielleicht damit auch Freddi Mercury posthum rehabilitiert

+Musikalisch spielt er mit Erwartungen und bricht diese; damit widersetzt er sich erfolgreich der Vereinnahmung durch den Mainstream

+Er ist innovativ und sorgt mit einem Novum in der Opernwelt- (Liebe zwischen 2 Männern) für eine Weltpremiere

+Outing + Standing = Outstanding

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